handlettering-vector-grafikHandlettering scheint etwas neues zu sein, dabei gab es das Zeichen von Buchstaben schon immer. Früher sogar noch ausgeprägter als heute. Doch im Moment scheint eine größere Welle und Euphorie für diese handwerkliche Kunst wieder aufzuleben. Das „selbst machen (DIY)“ ist wieder en vogue. Dazu gehört auch das Handlettering. Es ist eigentlich in unserer Welt schon immer präsent gewesen. Wir sind uns dessen aber nicht immer bewusst. Viele Logos von Marken sind handgeschrieben. Auch wenn sie teilweise wie Computerschriften aussehen, sind sie handgeschrieben bzw. sind zumindest von existierenden Fonts abgewandelt und verändert worden.

Wieso ist Handlettering im Moment so gefragt?

Die Popularität von Handlettering ist zu erklären mit der Sehnsucht nach Natürlichkeit, echten Menschen, echten Materialien und echten Geschichten in unserer Onlinewelt. Wir können auf Computer nicht mehr verzichten, möchten aber weg von dieser klassischen digitalen Welt und schaffen uns neue Umgebungen, die wir in der realen Welt auch gut finden würden. Das Zeichnen von Buchstaben hat etwas mit der wachsenden Popularität der DIY-Kultur zu tun. Eine selbst gezeichnete Schrift hat auch viel mehr Charme und Persönlichkeit als eine Schrift aus dem Computer generiert.

Buchstaben zeichnen ist ein Handwerk

Wir schätzen wieder mehr die handwerklich gefertigte Arbeit. Und Handlettering ist ein altes Handwerk, nicht zu verwechseln mit Kalligraphie, welches ein bestimmter Stil ist.. Wir brauchen doch nur mal durch die Innenstädte zu gehen und finden fast überall handgefertigte Schriften bei Geschäften. Die handgeschriebene Schrift ist natürlicher, authentischer und persönlicher. Sie bietet gestalterisch unendlich viele Möglichkeiten etwas auszudrücken. Berühmte Sätze, ein Motto, Slogan oder Zitat werden durch handgeschriebene Form noch markanter, noch stärker in ihrer Wirkung.

Aber es gibt doch auch Lettering ähnliche Fonts im Internet?

Man könnte doch genauso eine der unzähligen Schriften benutzen, die im Internet kursieren, manchmal sogar gratis. Weit gefehlt, denn gerade die „Gratis-Schriften“ verbreiten sich global in Lichtgeschwindigkeit und werden zeitnah omnipräsent im Internet zu sehen sein. Davon abgesehen sind Schriften nicht individuell genug, nicht einzigartig und haben bei Script-Stilen nicht immer Ligaturen, die jeden Buchstaben harmonisch und flüssig mit dem anderen verbindet. Die Zwischenabstände (Kerning) sind auch nicht immer ideal.

‚Jack Kramer‘ von Wilson

grafikdesign-handlettering-rb-tennisschlägerSo hiess mein dritter Tennisschläger Ende der siebziger Jahre. Nicht nur weil zahlreiche Tennisprofis, u.a. der legendäre Vitas Gerulaitis, diesen bleischweren Holzschläger spielten, sondern weil ich ihn optisch ansprechend fand im Gegensatz zu dem Donnay Typ von Björn Borg, der nur aus ewig langem Ledergriffband und Schlägerfläche bestand. Dieser war zudem schwarz mit einem langweiligen Farbmuster. Nicht so der Jack Kramer von Wilson. Aber was hat das mit Lettering zu tun? Vielleicht war das ein zweiter Hinweis auf meine Leidenschaft, denn zu Beginn der Schlägerfläche am Rahmen war das Logo in Lettering-Stil geschrieben, was von mir sicher unbewusst als besonders schön wahrgenommen wurde. Mein Vater hatte früher auch schon damit experimentiert. Er schrieb öfters in einer der altdeutschen Schrift ähnelnden Form.

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Ruhende Leidenschaft?

Interessant fand ich im Laufe der Jahre die Handlettering Kunst schon immer, ohne mich damit näher beschäftigt zu haben. Erst der Beruf als Grafikdesigner und schliesslich die Selbständigkeit brachte mich in die Richtung, das Thema ernsthafter anzugehen. Ich begann einen Online Kurs über Skillshare, welcher lediglich dazu diente, mir klarzumachen, dass ich ein purer Anfänger bin. Das war Ende 2013. Ernsthaft mit Praktizieren und Üben begann ich Ende April 2014. Eine gute Voraussetzung ist, wenn man täglich übt, und zwar nicht nur 10 Minuten. Im Bild seht ihr eins meiner Übungsblätter. Im Zuge dessen wurde mir auch klar, was Leidenschaft ist, und was es nicht ist. Aber dazu schreibe ich einen eigenen Artikel.

Man ist sich gar nicht bewusst wieviele Logos handgeschrieben sind

Jeder hat seine Lieblingsprodukte, oder Erinnerungen. An die eigene Kindheit verbinden wir Marken, die alle handgeschrieben sind. Der Trend wird auch immer stärker handgeschriebene Logos zu kreieren, denn die Stile sind unbegrenzt. Der Wunsch nach Individualität wird immer größer aufgrund des immer authentischer werdenden Unternehmertums und Internets. Auch große Unternehmen gehen diesen Schritt, wie vor einiger Zeit die Onlineplattform Instagram, dessen Logo vorher in einer normalen Schrifttype geschrieben wurde. Nun wurde die Marke von einem Lettering-Artist neu kreiert. Allseits bekannte handgeschriebene Logos sind z.B. Kellogs, Kleenex oder Milka. Wenn du demnächst wieder im Supermarkt bist, schau mal genauer auf die Etiketten deiner Lieblingsprodukte und du wirst sehen wieviel Handlettering Teil deines Lebens schon ist 🙂

Hier habe ich für ununi.tv ein Interview gegeben über Handlettering.

 

Author: Robert Bree
Foto: Robert Bree | Kommunikationsdesign

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