Um es verständlich zu machen muss ich etwas ausholen. Mein Schritt, als kaufmännisch Angestellter zu kündigen und als Grafikdesigner am nächsten Tag in einer internationalen Werbeagentur anzufangen war schon eine große Veränderung im Jahre 1999, zumal diese Veränderung auch im Ausland stattfand (Italien). Jedoch war mir von der ersten Minute im neuen Job klar, dass es die richtige Entscheidung war, meinen bisherigen Beruf und all meine Vorbildung, die ich dafür investiert hatte (Betriebswirt/Industriekaufmann), praktisch aufzugeben und wieder von vorne anzufangen.

Logos, Embleme, Buttons, Monogramme

Bis 2005 war ich angestellt und danach als Freelancer für verschiedene Agenturen und Verlage unterwegs. Logos oder Symbole jeglicher Art haben mich immer schon interessiert. Einmal mag ich die reduzierte Form im Ausdruck und den Inhalt, der durch derart kleine Zeichen transportiert werden kann. Als Grafikdesigner konnte ich mich zu diesem Thema natürlich austoben.

Ein Faible für organische Formen

Alles was organisch und kurvig war, hatte mich schon immer mehr angesprochen als rechtwinklige Formen. Ob es die alten Schriften von Ladengeschäften aus den 50-60er Jahren oder Logos mit einem besonderen Schriftzug waren. Im Stilkunde Unterricht der Möbelfachschule in Köln hatten wir alle Stilrichtungen durchgenommen und beschrieben, welche Auswirkung sie auf das Design der Möbel hatten. Der Rokoko Stil gefiel mir immer am besten aufgrund der leichten und rundlichen Formen.

Wenn du durch die Straßen gehst, was gefällt dir?

In Café’s oder Restaurants sah ich häufiger diese Schriften auf Tafeln oder Fensterscheiben. Allein diese verbreiteten schon eine gewisse Stimmung ohne das ich dafür Gast sein mußte. Am meisten sah man diese Schriftbilder in großen Städten wie Paris, London oder New York. Aber all diese visuellen Inspirationen reichten nicht aus, dass ich mich mit dem Thema mehr beschäftigt habe.

Der Computer kann nicht alles

Nach vielen Jahren der Computergrafik merkte auch ich, das etwas fehlte bei meiner Arbeit. Die Konzentration allein auf die Grafikprogramme limitierte meine Ergebnisse, nicht nur für Schriften, für jede Art des Designs. Dazu ist es sehr anstrengend, ausschließlich mit dem Computer zu arbeiten. Ein Zeichenkurs im technischen Zeichnen in der 5. Klasse und ein Kohle-Zeichenkurs in der 4. Klasse erinnerten mich an meine einzigen guten Erfahrungen mit dem Stift und Papier in der Schule.

Ein Kurs für 20 Dollar entfachte das Feuer

Also machte ich mich Ende 2012 online auf die Suche nach einem Kurs fürs Buchstaben-Zeichnen, da der Begriff Lettering immer populärer wurde und mich neugierig machte. Ich wollte so etwas auch können. Ich zahlte 20 Doller und fertigte mein erstes Werk an. Ich war sehr stolz, jedoch dauerte es nicht lange und mir war klar, dass ich mehr Übung brauchte, um auch so tolle Arbeiten zu machen wie auf Instagram und dribbble zu sehen waren. 3 Wochen Übung würde doch reichen dachte ich, na ja sagen wir drei Monate, ok, jetzt sind es drei Jahre 🙂 (In diesem Beitrag siehst du die Veränderung meiner Skizzen in den letzten Jahren)

Kein Kurs ersetzt die Übung

Ich bin seitdem dran geblieben, ich habe meinen Weg gefunden wie man so schön sagt. Dazu hatte ich auch einen Masterkurs bei seanwes.com belegt, der sicherlich gut ist. Jedoch ist das A und O das Praktizieren bzw. das Schreiben und Zeichnen von Buchstaben. Die besten Arbeiten eines Künstlers kommen nach 10000 Stunden, hast du vielleicht schonmal gehört.

Das schwierigste ist, eine Entscheidung zu treffen

Jeder möchte seinen Weg finden, aber welches ist der Weg eines Jeden? Meiner Meinung geht jeder schon seinen Weg, nur der Fokus ist nicht auf jedem Weg in eine Richtung gelenkt. Es ist nicht die Entscheidung an sich, sich für ein Thema festzulegen. Diese dauert nur eine Sekunde, sondern es ist die innere Haltung, von Kopf bis Fuß, für ein Thema fortan zu stehen. Vielleicht zögerst auch die diese Entscheidung hinaus in deinem Leben. Denn in eine Richtung zu gehen, bedeutet auch, viele Dinge beiseite zu räumen, die vorher Zeit und Energie gekostet haben und auf die du verzichten musst

Widerstände wirst du haben

Echte Veränderung kann nicht leicht fallen, sonst ist es keine Veränderung. Also du wirst in der Anfangszeit Widerstände spüren, die aber nach und nach sich legen werden. In der gleichen Zeit wirst du es als Segen empfinden, dich endlich für ein Thema entschieden zu haben, welches es auch immer sein mag.

Was lernst du daraus?

Solltest du dich am Anfang einer beruflichen Veränderung oder vor einer derartigen Entscheidung befinden, habe Geduld, auch wenn sich deine Entscheidung noch nicht so richtig anfühlt. Es passiert nichts von heute auf morgen und das du dich für etwas entschieden hast, auch wenn es noch nicht das richtige ist, ist trotzdem gut. Das bedeutet, das du auf der Suche bist und wenn du weiter suchst, wirst du finden, was dich erfüllt.

So wie Quentin Tarantino seinen Job sieht, kann ich nachvollziehen. Er hatte mal in einem Interview der Süddeutschen darüber gesprochen, das er Kollegen hat, die ihren Job nur tun, um sich dies (z.B. ein Boot) oder jenes zu ermöglichen und darin im Leben aufgehen. Er dagegen macht diesen “Deal” nicht, etwas zu tun, um etwas anderes zu bekommen. Er will Regisseur sein und nichts anderes. Für mich ist das vergleichbar mit einer Person, die einen gut bezahlten Job macht, um sich ein erfülltes Leben zu ermöglichen, aber den Job eigentlich nicht gerne macht.

Ich möchte meinen Job machen, weil ich ihn machen will. Nicht immer ist ein Job erfüllend, hilft dir aber, deinen Job, der dich erfüllt, irgendwann zu finden.

Autor: Robert Bree
Foto und Grafik: Robert Bree
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