Sich beruflich selbst zu verwirklichen ist ein schönes Ziel vieler Selbständige. Aber wie geht das? Wie machst du „dein Ding“? Wer sich selbständig macht, hat irgendwie schon immer im Hinterkopf diese Idee gehabt, oder zumindest die Vorstellung, ohne konkret zu wissen, wie dieses Ziel aussehen mag. Zumindest war oder ist das bei mir so. Der erste Schritt zur Selbständigkeit war für mich der Wechsel vom Angestellten als Grafikdesigner zum Freelancer. Das war eigentlich noch keine echte Selbständigkeit, da ich vornehmlich Agenturen und Verlage unterstützt habe. Ich brauchte also weiterhin nur meine Arbeit machen, ohne nach außen mehr zu tun, um Endkunden anzuziehen.

„Mach dein Ding“ ist reizvoll, aber schwierig

Das große Ziel „Mach dein Ding“ kann überwältigend wirken und hält viele Menschen davon ab, dieses Ziel überhaupt anzugehen. Dennoch ist es faszinierend, wenn jemand es schafft, es zu erreichen. Eine einzigartige Dienstleistung anzubieten, die nur du ausführen kannst, ist eine reizvolle Angelegenheit. Aufträge zu bekommen, wo genau deine Leistung gefragt ist, sollte das Ziel sein. Dein Können und deine Persönlichkeit im Zusammenspiel sind hier die Erfolgsfaktoren.

Selbständigkeit findet schon im Kleinen statt

Ich glaube, „Mach dein Ding“ findet schon in der kleinsten Einheit von Tätigkeiten statt. Wahrscheinlich sobald dein Berufsleben beginnt, agierst du gedanklich schon als Selbständiger, obwohl du noch jahrelang angestellt bist, bevor du den Schritt wagst, wirklich selbständig zu sein. Das ist auch enorm wichtig, denn eine Selbständigkeit dauert erfahrungsgemäß lange, bevor sie fruchtet und erfordert viel Geduld, insbesondere bei Rückschlägen, die garantiert kommen werden. Wenn du nicht vom ersten Tag an loslegst, verzögerst es sich noch mehr.

Einzigartiges Design zu realisieren ist das Ziel

Als Künstler oder Gestalter sich zu verwirklichen hat natürlich viel mit den Kunstwerken selbst zu tun. Und nicht wenige erfahrene Designer behaupten, dass du dich am meisten entwickelst in deinen freien Projekten, die du nur für dich machst, also Werke, die keinen direkten Auftraggeber haben. Denn meistens kannst du bei herkömmlichen Aufträgen nicht experimentieren, sondern gestaltest für ein ganz bestimmtes Ziel. Also du machst etwas, was von einem Unternehmer gebraucht wird, was eine konkrete Aufgabe erfüllen soll. Aufgrund deiner bisherigen Arbeiten entscheidet sich der Kunde für dich. Er sucht also etwas, was er bei dir im Portfolio so ähnlich schon gesehen hat. Das kann natürlich auch eine freie Arbeit von dir sein.

Balance von Technik, Erfahrung und persönlichem Ausdruck

Bei Design geht es ja besonders um Ausdrücke, die einen ganz individuellen Touch haben. Nur wie bekommt deine Arbeit diesen persönlichen Spin, der nicht nur attraktiv anzuschauen ist, sondern auch gewerblich funktionieren kann? Meiner Meinung nach ist es eine Kombination aus Technik, Erfahrung und persönlichem Ausdruck. Dafür brauchst du viel Übung. Denn handwerklich gut gemachte Arbeit sorgt nicht für genug Aufmerksamkeit, um einzigartig zu sein. Individuelle Ideen, die handwerklich nicht ordentlich realisiert werden, schaffen das ebenso nicht.

Dennoch ist es wichtig, es immer wieder zu versuchen, um immer wieder festzustellen, dass etwas fehlt bei deiner Ausarbeitung. Bei Lettering Arbeiten könnte die Balance des Schriftzuges nicht stimmen aufgrund fehlender Erfahrung. Oder deine Buchstaben sind sehr schön gestaltet, aber von der Idee her sieht man nichts Neues, was man nicht schon vorher in ähnlicher Weise auf Instagram entdeckt hat. Es sind manchmal auch nur Kleinigkeiten, die deine Arbeit einzigartig erscheinen lassen.

Design mit Freude

Wenn du dir die notwendige Technik angeeignet hast, vertraue dir selbst, und mach etwas, was dir Freude bereitet. Gewöhne dich an das Gefühl, was es für dich bedeutet, nach deinen Wünschen zu gestalten. Du wirst dich mit der Zeit immer mehr vom Gitter des Gelernten entfernen, um die Grenzen des Erlaubten immer besser kennenzulernen, in denen du dich bewegen kannst.

Es gab alles schon, aber nicht mit deiner Handschrift

Mein Aha-Moment der letzten Wochen war, als ich das erste Mal ein skizziertes A in Social Media gezeigt habe, welches von mir frei gestaltet wurde. Ein A zu skizzieren, auch wenn es gestalterisch speziell ist, ist nichts was es nicht schon vorher gegeben hat. Jessica Hische hat vor vielen Jahren schon ein komplettes Alphabet gestaltet. Jeden Buchstaben hatte sie in einer anderen Form und in einer anderen Farbenkombination gepostet. Dieses Projekt hatte sehr viel Aufsehen erregt in Amerika, so dass viele Anfragen, um mit ihr zusammenzuarbeiten, entstanden sind.

Eigentlich war der Buchstabe A nicht der erste, den ich gestaltet hatte. Ich hatte mit dem Buchstaben G begonnen. Ich wollte schon immer mal etwas gestalten, wie z.B. den Stil von Marcel Schmetzer aus der Schweiz. Mir ist bewusst, nicht die gleichen Erfahrungswerte oder Fähigkeiten zu besitzen. Es war auch nie mein Ziel, es zu kopieren. Ich wollte mich lediglich ausprobieren in diesem Stil ohne Vorgaben. So hatte ich einfach losgelegt. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht und bekam auch viel Resonanz. Hier siehst du das G und das A siehst du im Titelbild. Vielleicht ist es ein Trick für sich selbst, wenn man etwas aus eigener „Handschrift“ produzieren möchte, dir kein gestalterisches Ziel zu setzen. Lege einfach los und schau was passiert 🙂

Buchstabe G

Es gibt ein Konzept, aber nicht nur

Ein Buchstabe hat seine bestimmten Formen und muss lesbar bleiben. Dann wollte ich einen Serifenstil mit einem eleganten Scriptstil kombinieren. Gut wäre, eine gleichmäßige Mischung aus harten und weichen Formen zu finden, was mir nicht immer gelungen ist bisher. Auch sind die Skizzen nicht perfekt ausgearbeitet. Dennoch war die bisherige Resonanz überraschend gut. Wieviele Letterings habe ich stundenlang vorbereitet, nachbearbeitet und perfektioniert, aber die Resonanz hielt sich in Grenzen. Diese Serie mit den Buchstaben, die außer der festen Buchstabenform noch viele freie Schnörkel, Verzierungen und Deko Elemente beinhaltet, fällt mir viel leichter zu realisieren, als viele bisherige Letteringarbeiten.

Challenges zu beenden ist eine Challenge

Höre dir selbst zu und lass deinen Impulsen, die zu Aktivitäten führen, freien Lauf. Denke nicht darüber nach, was für eine Gestaltung für wen Sinn ergibt. Und genau das darfst du bei freien Projekten. Wenn ich es schaffe, die Buchstaben bis zum Z weiter zu gestalten, könnte das mein erfolgreichstes Projekt mit größter Wirkung werden. Auch, wenn es im Moment nur ein Pro Bono Projekt für mich selbst ist. Challenges zu beenden ist ja bekanntlich auch nicht so einfach. Warum nicht? Weil bei fast allen Challenges dein eigener persönlicher Bezug fehlt.

Meine Botschaft ist, auch wenn du als Gestalter viel produzierst und viel machst, aber keine oder nur wenige Resonanz bekommst, dann mach trotzdem weiter, wenn du Freude daran hast. Vielleicht beruhigt dich die Tatsache, dass wir als Gesellschaft eine Einzigartigkeit im Aufbau gar nicht erkennen können, weil wir nur das sehen und erkennen, was es schon gibt. Sobald aber deine Erfahrung, deine Technik und dein persönlicher Ausdruck im Einklang sind, werden die Reaktionen auf deine Arbeiten dementsprechend sein und dir es mit besonderem Feedback bestätigen.

Hier siehst du die weiteren bisherigen Buchstaben:

Buchstabe B

Buchstabe C

Buchstabe D

Buchstabe E

Buchstabe F

Buchstabe G

Buchstabe H

Grafik und Text: Robert Bree

 

 

 

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