Als Grafikdesigner begegne ich oft Kunden und Menschen, die sagen, es sei halt Geschmacksache und über Geschmack kann man nicht streiten. Da war doch dieser berühmte Satz, dass man über Geschmack nicht streiten darf/kann/soll. Ich konnte noch nie etwas damit anfangen bzw. habe ihn nie richtig verstanden. Zuallererst warum sollte man über Geschmack überhaupt streiten, was sich anhört wie eine Art Kompetition. Jeder hat einen eigenen Geschmackshorizont würde ich eher sagen. Und dieser Horizont kann natürlich jederzeit erweitert werden bzw. neue Weiten erfahren durch neue Erfahrungen eines jeden Einzelnen von uns.

Oder wie es Marc Newson aus dem Interview in der Süddeutschen am letzten Wochenende (08.09.2012) sagt. “Geschmack ist das Ergebnis des Rahmens, in dem und aus dem jemand sieht. Er sieht also nur, was er kennt, verstehen Sie?”Marc Newson ist einer der einflussreichsten Designer seiner Zeit und ist u.a. Designer für die Quantas, Dom Perignon und hat z.B. den Embryo Chair von Cappellini kreiert. (www.cappellini.it)

Ich zitiere hier aus dem Interview.

“Was ist Geschmack?

Geschmack ist das Ergebnis des Rahmens, in dem und aus dem jemand sieht. Er sieht also nur, was er kennt, verstehen Sie? Das ist der Teufelskreis.

Der Ausweg?

Die Falle des eigenen Geschmackskorsetts zu verlassen. Das fällt Industrien schwer, aber auch jedem einzelnen von uns. Ein Rezept dagegen ist, das ernst zu nehmen, was einen stört, beunruhigt, im ersten Augenblick vielleicht sogar abstößt. Denn oft lehnt man ab, was man nicht kennt, aber genau darauf sollte man sich einlassen!

Geschmack ist also eine relative Größe? Eher eine Haltung?

Ja, und ein Bedürfnis nach Qualität. Das beginnt und endet mit der Leidenschaft für Details, bis hin zu mikroskopischen Feinheiten. Es geht nicht darum, einen materiellen Wert zu kreieren. Sondern darum, Dinge herzustellen, die mehr Menschlichkeit zulassen. Darum, mit Hilfe von Objekten eine bessere emotionale Beziehung zwischen den Menschen herzustellen.”

Autor: Robert Bree