wenn wir von Italien schwärmen dann meinen wir meistens die Mode, das Essen oder die Schönheit dieses Landes von der Architektur und Natur. In Italien ist nicht alles schön. Im Umland von den Städten, im Industriebereich, wo z.B. Einkaufszentren stehen, ist es meist überhaupt nicht schön. Aber wenn du in die Innenstadt gehst, und zwar auf die sogenannte „Piazza“ von fast jeder Stadt, dann findest du eine gepflegte und sehenswerte Umgebung vor, die wir immer in Verbindung bringen mit „Bella Italia“. Aber warum ist das so?

Galleria Vittorio Emanuele

Als ich damals zum ersten Mal in die Gallerie „Vittorio Emanuele“ in Mailand gegangen bin, war ich sehr beeindruckt. Die Architektur, die Größe, die Farben und die Verzierungen haben mich überwältigt. In der Gallerie gab es auch zahlreiche Geschäfte für Bekleidung, Kunst, Schmuck und sogar McDonalds war da. Mir fiel sofort auf, dass bei McDonalds nicht das übliche rot leuchtende Schild mit dem gelben M zu sehen war, sondern über jeder Fensterfront war eine schwarze Fläche mit einem goldenen „M“. Es passte einfach in die Umgebung mit dieser Veränderung der Farben.

Man stelle sich vor, in dieser Galerie dürfe McDonalds das knallige Rot verwenden. Es würde sofort die komplette Aufmerksamkeit auf sich ziehen nur aufgrund der Farbe. Da die Umgebung aber historisch und gestalterisch ein Gesamtbild ergibt, wird darauf geachtet, das die jeweiligen Corporate Farben der Marken ins Bild passen mit dem notwendigen Respekt für das Umfeld.

Die Summe der Details macht den Unterschied

Dies ist nur ein Detail, warum es vielleicht mehr Spaß macht, in einer italienischen Innenstadt zu verweilen, als in einer unserer Städte. Diese angemessene Integration von Marken in das Gesamtbild einer Innenstadt siehst du nicht nur in italienischen Städten. Auf Anhieb fallen mir da noch Salzburg und Bad Tölz ein, die darauf mehr Wert legen. Manchmal wird ein Markenname oder der Name des Geschäfts auch direkt auf die Fassade des Hauses mit der Hand geschrieben oder die individuell gefertigten Buchstaben werden montiert. In München gab es auch eine Firma, die sich um die besonderen Schilder und Schriften für Läden kümmerten. Es war die Firma von Carl Blaschke.

Für mich ist Carl Blaschke nicht unbedingt verantwortlich für eine schöne Fassade, aber die Schilder und Schriften von ihm sorgen bis heute für einen schönen Anblick des Innenstadtbereichs. Die Firma Blaschke mit dem Schriftenmaler Carl Blaschke hat eine Vielzahl von Schriften für Läden und Firmen gestaltet. Wenn du durch München gehst, wirst du diese besonderen Schilder nicht unbedingt bewusst wahrnehmen.

Das Gütesiegel “Blaschke”

Im November 2012 nahm ich an einem Typewalk in München teil. Oliver Linke von der TGM führte uns durch die Gassen Münchens und zeigte uns verschiedenste Beschriftungen auf Schildern und Wänden.

schriften-blaschke1Unter fast jedem Werk von Carl Blaschke findest du sein Gütesiegel. Der Name „Blaschke“ klein geschrieben meistens in der rechten Ecke unten. Unter den Gewerbetreibenden war Carl Blaschke sehr bekannt. Nach dem Krieg florierte sein Betrieb und er hatte allerhand zu tun, die Geschäfte in der Innenstadt wieder mit Schild und Namen zu bekleiden. Er war sehr beliebt. Leute pflegten zu sagen, dass er nicht der billigste war aber er war der Beste unter den Schilder Machern.

Die individuelle Schrift

Es liegt immer eine gewisse Wertigkeit im Anfertigen von einer individuellen Schrift vor. Ein Künstler wie Carl Blaschke hat viel Zeit investiert, um diese gewisse Sicherheit im Gestalten von Buchstaben zu erlangen. Wenn du als Fußgänger durch die Stadt schlenderst, schätze ich meistens diese individuellen Läden mit Produkten aus hochwertigem und natürlichem Material. Die Schaufenster, die Ladentür, die Dekoration und Inneneinrichtung sind auch Beweis für Qualität. Große Konzerne oder Weltmarken können diesen individuellen Auftritt schwer leisten. Deswegen lieben wir den hochwertigen Einzelhandel nach wie vor, am besten mit einem Ladenschild von Blaschke.

Hier ist der Artikel vom Typewalk 2012

Hier sind ein paar Eindrücke aus dem Buch von Oliver Linke über die Firma Blaschke

Autor: Robert Bree
Fotos: Robert Bree | Logodesigner und Handlettering Spezialist
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