Ich wohne in München und bin durch meine Tochter auf die herkömmlichen Namen der aktuellen Stadtteile Münchens gestoßen. Sie fragte mich beim Abendessen ob ich die alten Namen der Stadtteile kennen würde. Ich wußte nicht, dass „Sentilinga“ der ursprüngliche Name von Sendling ist. Oder das Neuhausen mal „Niwenhusen“ hieß. Das brachte mich auf die Idee, mir alle ursprünglichen Namen Münchner Stadtteile anzuschauen, denn sie hörten sich interessant an.

Handlettering Bajuwaren SchriftzugDie Namen hatten etwas mediterranes oder holländisches an sich. Mir gefielen sie auch irgendwie besser. Und siehe da, die Bajuwaren (siehe unten die genauere Definition für Bajuwaren aus Wikipedia), die Mitte des sechsten Jahrhunderts hier entstanden, waren wohl verantwortlich für die Namensgebung. Es war eine Bevölkerungsgruppe aus verschiedenen Regionen, wie z.B. aus dem spätrömischen Reich.

Ich möchte mit meinen Visualisierungen lediglich auf die Geschichte der Stadtteile und der Herkunft seiner Namen aufmerksam machen und ins allgemeine Bewusstsein holen. Zu einem ästhetisch anschaulichen Script-Lettering-Schriftzug mit Schnörkeln habe ich bei jedem Stadtteil ein Bild gewählt, wo ein bekannter Platz oder ein bekanntes Gebäude aus dem jeweiligen Stadtteil zu sehen ist. Meistens handelt es sich um einen Knotenpunkt, einer Kreuzung, wo Menschen zusammen kommen, im Verkehr oder zu Fuß. Also immer ein Ort, der durch das Treiben der Leute geprägt ist und den jeder kennt, damit eine sofortige Identifizierung beim Anblick stattfindet. Beim Foto habe ich aber darauf geachtet, einen ruhigen Moment zu erwischen, um nicht zu viel Aufmerksamkeit bei der Betrachtung von Ort und Namen wegzunehmen.

Hier siehst du die Visualisierungen inklusive Erläuterungen von Sendling und Neuhausen.

Sentilinga-Schriftzug

Neuhausen-Schriftzug

Heidhusir-Schriftzug

Suuapinga-Schriftzug

Pupinhusir-Schriftzug

Kyesinga-Schriftzug

Im vorletzten Schriftzug sollte es eigentlich „Pupinhusir“ heißen und nicht „Pupinkusir“. 🙁

Hier sind ein paar Sätze von der Definition der Bajuwaren aus Wikipedia.

Bajuwaren (auch Baiuwaren) ist die ursprüngliche Namensform der Baiern, der Bevölkerung eines Mitte des 6. Jahrhunderts entstandenen Stammesherzogtums, das den Großteil AltbayernsÖsterreichs und Südtirols umfasste. Unter der vom fränkischen Königshaus initiierten Herrschaft der Agilulfingerherzöge entwickelte sich aus einer sehr gemischten Bevölkerung das „Volk der Bajuwaren“. Erst zu dieser Zeit wuchs die spätrömische Bevölkerung (mit sehr vielfältigen älteren Wurzeln) und die zahlreichen neu dazugekommenen Elemente anderer Herkunft, darunter solche aus dem hunnischen und vor allem germanischen Raum, zu einem bajuwarischen Stammesvolk zusammen.

Im Süden des heutigen Bayern hingegen ergibt sich ein sehr gemischtes Bild. Vermutlich entstanden die Bajuwaren als Gemisch verschiedener Völker. Nicht in einer großen Wanderung, sondern in einzelnen Schüben besiedelten sie das Land zwischen Donau und Alpen. Dort wuchsen die verschiedenen Zuwanderer zu jenen Bajuwaren zusammen, die von Jordanes 551 in seiner Gotengeschichte und kurz danach auch von dem Dichter Venantius Fortunatus beschrieben wurden. Beide Quellen berichten übereinstimmend, dass östlich der Sueben bzw. östlich des Lechs das Land Baiuaria liegt. Die Einwohner von Baiuaria werden Baibari bzw. Baiovarii genannt.

In der Folge bildete sich das Volk der Bajuwaren, das 551 erstmals genannt wurde. Archäologische Funde und eine neue Interpretation der Quellen lassen immerhin den Schluss zu, dass die Bajuwaren weniger germanische als romanische Wurzeln hatten. Die römische Bevölkerung zog nicht ganz ab, auch die Strukturen des römischen Reiches bestanden fort, was im Übrigen auch viele lateinische Sprachreste in den bayerischen Mundarten zu bestätigen scheinen. Vermutlich haben sich die Bajuwaren in einem Verschmelzungsprozess aus verschiedenen Gruppen gebildet – aus elb- und ostgermanischen Kleinstämmen, keltischer Urbevölkerung, ansässigen Römern, alemannischen, fränkischen und thüringischen, ostgotischen und langobardischen Flüchtlingen sowie Nachkommen germanischer und anderer Söldner der dort früher stationierten römischen Grenztruppen.

Autor: Robert Bree
Foto und Grafik: Robert Bree

 

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